Buenos Dias, Maria

Wenn ich ein Vöglein wär und auch zwei Flügel hätt', flög ich ins Amazonas-Gebiet. Dann würde der Papst extra für mich ein Gedicht von Pablo Neruda rauskramen. Das geht so: "Amazonas/Hauptstadt der Silben des Wassers/Vater, Partriarch, du bist/die geheime Ewigkeit der Befruchtung,/Flüsse steigen zu dir hinab wie Vögel".


Franziskus hat sich in seinem nachsynodalen Schreiben zur Amazonas-Synode nicht dazu geäußert, ob Vögel die heilige Weihe gültig empfangen können. Aber er hat zumindest nicht ausgeschlossen, dass gefiederte Wesen weihbare Materie sind. Er kämpft - ganz in der Linie von "Laudato Si" - um Gerechtigkeit für jedes Lebewesen.





Für fast jedes. Frauen sind von seinem allumfassenden Gerechtigkeitsbegriff ausgeschlossen, lebende jedenfalls. Seine Begründung: Wenn Männer zu Priestern geweiht werden, ist das würdig und recht und für die Kirche lebensnotwendig. Wenn Frauen geweiht würden, wäre das Klerikalismus.


Harter, hohler Markenkern


Ich muss nicht wiederholen was ich im "Weiberaufstand" zu Franziskus' Frauenbild (Irgendetwas zwischen vertrockneter Jungfer und saftigen Erdbeeren auf der Torte) geschrieben habe. Zu besichtigen ist die absehbare Nicht-Vision hier in einem noch recht frischen Vortrag an der Universität Freiburg. Der endete am 10. Januar 2020 so: "Die römisch-katholische Kirche ignoriert Begabungen, verachtet Wissen und verbietet sich Visionen. Sie hat sich an Frauen versündigt und versündigt sich weiter. Diskriminierung ist ihr harter, aber hohler Markenkern. Es ist hoffentlich nicht der Kern des Christentums. Wer braucht diese harte, hohle Kirche? Jungs, die unter sich bleiben wollen; Verunsicherte, die sich an eine natur- und gottgegebene Ordnung klammern. Ängstliche, die den Schmutz der Welt und das unreine Weib fürchten."


Wer 2000 Jahre Verachtungsgeschichte auf sich wirken lässt, kann mangels Erwartung von päpstlichen Schreiben nicht enttäuscht werden. Patriarch und Befruchtung sind da immer treffende Stichworte. Man muss kein Dichter von Nerudas Kaliber sein, um darauf zu kommen.


Ich habe das Schreiben von Franziskus schnell beiseite gelegt und mir noch einmal zwei Bücher von Hedwig Dohm vorgenommen. Die "Antifeministen" und "Was die Pastoren von den Frauen denken". Dohm war 1904 schon weiter, als die katholische Kirchenspitze je sein wird. "Die Altgläubigen sind diejenigen, die den Gedankeninhalt vergangener Jahrhunderte für alle Ewigkeit festzuhalten für ihre Pflicht erachten. Zum eisernen Bestand ihrer Argumentation gehört der liebe Gott und die Naturgesetze", schreibt sie.

Ich bin zu wenig tot und zu wenig mariengleich


Franziskus schreibt: "Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und die Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben." Vermutlich hatte Hedwig Dohm solche Männer im Auge, als sie feststellte: "Ich habe nie begreifen können, warum gerade diejenige Männer, die der Frau am energischsten den Verstand absprechen, ihr am eifrigsten die Erziehung der Kinder aufhalsen."


Ich will solche Kirchenmänner nicht verstehen. Ich bin zu wenig tot und zu wenig mariengleich, um über Selbstwidersprüche zärtlich hinwegzusehen. Doch in gewisser Hinsicht ist Franziskus nicht bloß ein altgläubiger Herrenrechtler, er ist ein ganzer Kerl. Er versteckt sich nicht hinter Gottes Willen und Jesu Beispiel. Hier sagt ein Papst ganz klar: Ich will das nicht. Auf diese Ehrlichkeit habe ich lange gewartet.


Wenn ich ein Vöglein wär, würde ich sagen: Machen wir den Abflug.









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