Petra, Jacqueline, Johanna und die Verklärung der Herren
- Christiane Florin
- vor 18 Stunden
- 11 Min. Lesezeit
Predigt zum 2. Fastensonntag in der Kunst-Station St. Peter in Köln
Mt. 17, 1-9 Einheitsübersetzung (Evangelium vom 1. März)
1 Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes zu sich und führte sie auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus. 4 Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. 5 Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. 6 Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. 7 Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein. 9 Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!

In dieser Predigt-Reihe bitten Sie darum, Gottesworte und Heilsgeschichte aus weiblicher Perspektive in den Blick zu nehmen.
Ob ich Ihnen eine speziell weibliche Perspektive biete, weiß ich nicht. Jedenfalls sieht für mich das Evangelium des heutigen Tages einem Foto ähnlich, das Markus Söder am 25. Februar 2025, also kurz nach der Bundestagswahl, auf instagram gepostet hat.

Auf dem Bild sieht man: von der CSU Martin Huber, Markus Söder und Alexander Dobrindt, von der CDU Carsten Linnemann, Friedrich Merz und Thorsten Frei. Auf dem Tisch stehen Platten mit Schnittchen, etwas Gesundes wie Joghurt im Glas, dazu gibt es Kaffee und alkoholfreie Kaltgetränke.
Da sitzen also nach der Bundestagswahl ausschließlich Jünger beisammen, Spitzenjünger. Ihre Gesichter leuchten. Der Gipfel der Macht scheint nah. Endlich fast oben, nach einem mühevollen Wahlkampf in der Ebene, ist man übern Merkel-Berg: kein Weib in Sicht, das sich den Herren in den Weg stellt. Lasst uns Konrad Adenauer eine Hütte bauen!
Für dieses Setting gab es im Februar 2025 in den sozialen Netzwerken viel Kritik und Spott: Das soll der Aufbruch nach der Ampel sein? Lauter weiße Männer?
Das Satireblatt Postillon behauptete, bei Friedrich Merz nachgefragt zu haben. Der habe geantwortet: "Es ist eine absolute Frechheit, uns zu unterstellen, es seien bei diesem Spitzengespräch keine Frauen dabei gewesen. Da stehen doch überall Getränke und Essen. Meinen Sie, das hätte einer von uns hier aufgetischt und so schön arrangiert?"
CSU-Chef Markus Söder erklärt laut Postillon: "Frauen sind uns in der Union superwichtig. Sie haben große Qualitäten im häuslichen Bereich, beim Putzen, Kochen und so Kinderzeug. Ohne sie könnten wir keine so gute Politik machen."
Diese Antworten sind Satire. Frei erfunden, versteht sich.
Vatessohnesheiligengeistensamen, sagte meine fromme Oma oft. Ob das ein Segen sein soll oder ein Seufzer? Ich konnte es nicht unterscheiden.
Menschensohn, Männerding
Jetzt zum Spitzengespräch im heutigen Evangelium: Jesus, Petrus, Jakobus, Johannes, Moses und Elias sind auf einem hohen Berg, oben angekommen. Über ihnen schwebt eine sprechende Wolke, die Jesus als geliebten Sohn bezeichnet. Jesus selbst nennt sich Menschensohn.
Auch hier bin ich mir nicht sicher, ob das eine speziell weibliche Perspektive ist:
Die Verklärung des Herrn sieht aus wie ein Männerding.
Sie haben die Autorin eines lila Buches namens „Weiberaufstand“ zum Nachdenken über dieses Evangelium eingeladen. Mit feministisch-unverklärtem Blick füge ich hinzu: Das Männerding fällt mir nicht nur auf, das missfällt mir. Alternative Bibel-Übersetzungen ändern daran wenig: Statt „Dies ist mein geliebter Sohn“ heißt es in der Bibel in Gerechter Sprache: „Dies ist mein geliebtes Kind“, statt "Menschensohn" einfach „Mensch“. Die Gute-Nachricht-Bibel wiederum überschreibt den ganzen Abschnitt mit der maskulinen Zeile: „Drei Jünger sehen Jesus in Herrlichkeit“ HERRlichkeit wird überhaupt gern als Synonym für Verklärung genutzt.
Nun sind wir in dieser Kirche in einem jesuitischen Kontext, außerdem ist Fastenzeit. Jesuitisch debattieren heißt auch: die Gegenposition zur eigenen stark machen. Ich versuche also, nicht durchweg meinem ersten Impuls nachzugeben und übe mich in dieser Predigt zunächst in Feminismus-Fasten. Sieben Minuten ohne Feminismus würde das die EKD nennen. Also sieben Minuten ohne Männerding:
Bibelbewanderte erinnert die Szene an Moses, der auf dem Berg Sinai die zehn Gebote empfing. Sie erinnert an Elias am Berg Horeb. Auch am Berg Sinai zeigt sich Gott in einer Wolke. Auch da vergingen sechs Tage, bis Gott aus dieser Wolke zum auserwählten Menschen sprach. Die „sechs Tage danach“ im heutigen Evangelium sind eine deutliche Anspielung.
Wir haben es mit einem herausragenden Ereignis zu tun, das den Berg Sinai und den Berg Horeb um Längen übertrifft. Dieser Jesus empfängt nicht bloß Gesetzestafeln wie Moses, er bekommt nicht nur göttliche Aufträge wie Elias, er ist nicht nur Vermittler, er wird als Gottessohn vorgestellt und als Menschensohn. Das ist etwas radikal Neues. Von Moses und Elias ist nicht überliefert, dass sie selbst wie die Sonne leuchtete, von Jesus wird genau das in diesem Evangelium berichtet.
Einfach mal machen
Hier zeigt sich etwas noch Größeres als im Bundesschluss des Ersten Testaments. Hier zeigt sich: Gott ist Mensch geworden, und dieser Mensch wird von den Toten auferstehen, auferweckt.
Den Jüngern wird klargemacht, dass sie hier einen Moment erleben, den noch kein Mensch vor ihnen erlebt hat. Petrus würde diesen Augenblick gern festhalten. Gesetzestafeln, die wie bei Moses die Gottesbegegnung in etwas Präsentables verwandeln, gibt es auf diesem Berg nicht. Petrus will nach dem Carsten-Linnemann-Motto „Einfach mal machen“ verfahren. Wenn es schon nichts in Stein Gemeißeltes gibt, dann will er wenigsten eine Hütte bauen. Etwas Bleibendes. Aber Petrus denkt zu klein, zu herkömmlich. Jesus sagt ihm im Grunde: Think bigger, denk das bisher Unvorstellbare, glaub das Unglaubliche, nämlich, dass ich von den Toten auferstehen werde. Was für ein Sondervermögen!
Der jesuitische Einwand gegen meinen feministischen Impuls lautet also: Angesichts dieses großen Geschehens ist es kleinlich, kleingläubig auf so etwas wie Geschlecht zu achten.
Im Katechismus heißt es zu dieser Stelle: „Für einen Augenblick lässt Jesus seine göttliche Herrlichkeit aufleuchten und bestätigt so das Bekenntnis des Petrus. Er zeigt auch, dass er, um ,,in seine Herrlichkeit zu gelangen" (Lk 24,26), in Jerusalem den Tod am Kreuz erleiden muss. Mose und Elija hatten auf dem Berg die Herrlichkeit Gottes gesehen; das Gesetz und die Propheten hatten die Leiden des Messias angekündigt [Vgl. Lk 24,27. ]. Die Passion Jesu ist der Wille des Vaters; der Sohn handelt als Gottesknecht [Vgl. Jes 42,1.]; die Wolke ist ein Zeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes: ,,Die ganze Dreifaltigkeit erschien: Der Vater in der Stimme, der Sohn als Mensch, der Heilige Geist in der leuchtenden Wolke" (Thomas v. A., s. th. 3,45,4 ad 2).
Wer angesichts der göttlichen Herrlichkeit und der Klugheit eines Kirchenvaters wie Thomas von Aquin eine Frauenquote einfordert, hat das Momentum der Verklärung nicht erfasst. Die Herrlichkeit ist so geschlechtsunabhängig wie das Leiden des Gottesknechts.
Heimwerker in Angst
Ein zweiter Gedanke meiner sieben Minuten ohne Feminismus betrifft Geschlechterklischees:
Die Jünger wirken in dieser Szene unsouverän, sie taugen nicht zum Rolemodel „Jesus und die starken Männer“: Die Worte aus der Wolke wissen sie nicht richtig einzuordnen. Petrus fällt mit seiner Hütten-Heimwerker-Muskelkraft-Lösung bei Jesus durch. Auch ihre innere Stärke lässt zu wünschen übrig: zu glauben, dass sie Gottes Sohn in Menschengestalt vor sich haben, fällt ihnen schwer. Dass einer von den Toten auferstehen kann, übersteigt ihren Horizont, sie haben vor allem Angst. Mit männlich gelernten Rollenmustern, rauf auf den Berg, durchhalten, anpacken, einfach mal machen - kommen sie bei dieser Art Gipfeltreffen nicht weiter. „Fürchtet euch nicht“ – den Satz haben die Jünger von Jesus schon häufiger gehört, aber sie fürchten sich doch immer wieder. Jesus verpflichtet die Männer zum Schweigen. Bevor sie etwas Falsches sagen, sollen sie lieber den Mund halten.
Zu Frauen scheint das Göttliche mehr Zutrauen zu haben: Matthäus berichtet an späterer Stelle davon, wie drei Frauen zum Grab gehen, um den toten Jesus zu salben, und ihnen ein Engel erscheint und aufträgt, den Jüngern von der Auferstehung zu erzählen. Was ist wichtiger: Das männliche Schweigen über die Verklärung oder das weibliche Reden über die Auferstehung? In mild-fastenzeitlicher Stimmung würde ich sagen: beides. Da ist keine Hierarchie drin.
Zwischenbilanz, nach sieben Minuten ohne Feminismus: Es geht bei der Verklärung nicht ums Geschlecht, eine so weltliche Kategorie passt nicht. Und wenn es doch darum ginge, schneiden Männer bei Matthäus nicht besser ab als Frauen.
Lassen wir uns also von der frohen Botschaft ergreifen, die hier schon vorweggenommen wird: Gott ist vor allem Mensch geworden, nicht Mann. Dieser Mensch wird von den Toten auferstehen und davon haben alle etwas, die daran glauben, ganz gleich, welchen Geschlechts sie sind. Im Zweifel, nein: im Glauben, sind Frauen mitgemeint.
Vatessohnesheiligengeeistesamen, jetzt kommt er doch, mein feministischer Seufzer.
So milde wie meine Oma, die glaubte, dem Herrn Pastor keine Widerworte geben zu dürfen, bin ich nicht gestimmt, auch nicht in der Fastenzeit.
Jetzt also sieben Minuten mit Feminismus, die beginnen auch jesuitisch - mit einer Gegenprobe. Wer davon überzeugt ist, dass Geschlecht in diesen Höhenregionen keine Rolle spielt, sollte spielerisch einfach mal machen und einige Namen im Evangelium austauschen:
„Sechs Tage danach nahm Jesus Petra, Jaqueline und ihre Schwester Johanna zu sich und führte sie auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, es erschienen ihnen Mirjam und Hanna und redeten mit Jesus. 4 Und Petra antwortete und sagte zu Jesus: Es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mirjam und Hanna. 5 Noch während sie redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebtes Kind, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. 6 Als die Jüngerinnen das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. 7 Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein. 9 Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis das Menschenkind von den Toten auferweckt ist!“
Jesus habe ich männlich belassen. Er ist unterwegs mit Petra, Jacqueline und Johanna, ganz oben schweben die Prophetinnen des Ersten Testaments Mirjam und Hanna. In spezifisch weiblicher Becheidenheit formuliert: Ich vermute, die Kirchengeschichte und die Weltgeschichte wären anders verlaufen, wenn das seit Jahrhunderten so im Evangelium gestanden hätte und wenn es so vorgelesen worden wäre. Wenn nicht die Frauen samt ihrer Arbeit - Schnittchen, Joghurt, Kaltgetränke, dazu Putz-, Pack- und Proviantdienste, die für eine Bergtour nötig sind – unsichtbar gemacht worden wären.
Die ignorierten Frauen der Bibel
Die Theologin und Kirchenhistorikerin Annette Jantzen hat gerade ein ebenso inspirierendes wie weiberaufstandsmotivierendes Buch vorgelegt über die ignorierten Frauen der Bibel. Sie beschreibt zum Beispiel, das passt zum heutigen Evangelium, wie Mirjam durch die Leseordnung unsichtbar gemacht wird. Mirjam ist eine Prophetin, die im Ersten Testament als Schwester von Moses und Aaron vorgestellt wird. In der Bibel steht, dass Mirjam auf die Pauke haute und den Siegesgesang anstimmte, nachdem die Israeliten das Meer trockenen Fußes durchquert hatten.
Wörtlich heißt es im Buch Exodus: "Die Prophetin Mirjam, die Schwester Aarons, nahm die Pauke in die Hand und alle Frauen zogen mit Paukenschlag und Tanz hinter ihr her. Mirjam sang ihnen vor:
; Singt dem HERRN ein Lied, / denn er ist hoch und erhaben! / Ross und Reiter warf er ins Meer.'
In der Osternacht endet die Lesung vor ihrem Gesangseinsatz. Ihre Rolle beim Auszug der Israeliten aus Ägypten wird kleingeschwiegen. Damit gebührt Moses, dem Mann, die Exodus-Ehre allein. In der Verklärungsszene spricht nur Moses mit Jesus, ohne Mirjam. Klar, dass die Jünger nicht auf die Ideen kommen, dieser Frau auch eine Hütte zu zimmern. Ihr Gesang war so ein Frauendings.
Die Verklärung gilt als Vorgriff auf das Ostergeschehen. Auf einen Politikwechsel, würde Markus Söder sagen. Ein Carsten Linnemann würde wahrscheinlich so formulieren: Jesus ist der Gamechanger. Er ist Messias, nicht bloß Prophet.
Dass an dieser Stelle Frauen fehlen, lässt sich nicht wegmoderieren mit dem gönnerhaften, meist von Männern ausgesprochenen Satz: "Geschlecht spielt nun wirklich keine Rolle, und Herrlichkeit hat doch einen weiblichen Artikel."
Die Jünger als Geheimnisträger
Es ist spirituell und institutionell folgenreich, aus den Jüngern eine verschworene Gemeinschaft zu machen und aus der rein männlichen Wandergruppe eine apostolische Sukzession abzuleiten, zu der Frauen keinen Zugang haben. An einem der entscheidenden Momente zwischen Himmel und Erde haben sie angeblich nicht teil. Die charismatische Herrschaft (würde Max Weber sagen) dürfen sie nicht spüren. Männer – Jünger – werden hier zu Geheimnisträgern, weibliche Wesen sind nicht eingeweiht und bleiben bis heute nicht weihefähig.
Im Gegenzug haben Frauen später in der Kirchengeschichte ihre eigene Verklärungsgestalt bekommen: Maria – die Gottesmutter – die reine Magd, die Jungfrau, die demütige Dienerin. Diese verklärte Maria wurde zum erfolgreichsten katholischen Identifikationsangebot, gerade weil Frauen diesen Benchmarks in Sachen Reinheit, Jungfräulichkeit und Demut nie genügen können. Die Kehrseite der Verklärung des Herrn ist die Verklärung der Jungfrau, samt Dauerdefizitgefühlsvermittlung ans gemeine Weib.
Meine Oma, Jahrgang 1904, fühlte sich dauerschuldig, nur deswegen, weil sie eine Frau war. Sie hatte sieben Kinder und gehörte bis zu ihrem Tod der Mondorfer Jungfrauenkongregation an. Klingt rheinisch-katholisch-lustig und ist zugleich reinheitsfixiert-traurig.
Der Fleiß der Forscherinnen
Der feministischen Theologie ist zu verdanken, dass wir von Prophetinnen wie Mirjam, Hulda, Hanna überhaupt gehört haben. Es hat lange gedauert, bis die Einheitsübersetzung das Wort „Alma“ mit „junge Frau“ übersetzt hat und nicht mit „Jungfrau“ samt Reinheitsgebots-Aufladung. Es hat lange gedauert, bis das machtkritische Potenzial des Marianischen Magnificats gehoben wurde. Es hat lange gedauert, bis die andere Maria, Maria Magdalena, als Jüngerin anerkannt wurde, inklusive der Richtigstellung, dass sie keine Prostituierte war.
Es gibt auch feministische Lesarten dieser Verklärungsszene. Manche deuten Verklärung als einen Akt der Verwandlung, als radikalen Neuanfang, dem Gebären ähnlich. So feministisch gesehen wohnen wir einen genderfluiden Geschehen bei.
Frauen sichtbar machen, die Geschlechterordnung zum Tanzen bringen – ich will nicht behaupten, dass diese theologische Grundlagenarbeit vergeblich ist. Das Licht der Erkenntnis lässt auch mein Angesicht immer noch leuchten.
Nur: Die römisch-katholische Geschlechterordnung ist ein konstitutives Elemente der Institution, an der Diskriminierung haben die Erkenntnisse feministischer Theologie nichts verändert. Noch immer gilt als Lehre: Frauen habe eine bestimmte Bestimmung - entweder Mutter oder Ordensfrau. Aus der Bestimmung leiten sich Beschränkungen ab. Selbstbestimmung ist nicht vorgesehen. Geweihte Männer wissen am Besten, was Frauen wollen sollen. Die Verklärung des Herrn ist institutionell eine Verklärung der Herren.
Geduld, meine Damen, bitte hinten anstellen!
Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz Heiner Wilmer wurde in seiner ersten Pressekonferenz nach Weiheämtern für Frauen gefragt. Er hat auf den Heiligen Geist verwiesen.
Vatessohnesheiligengeistesamen.
Geduld, meine Damen, heißt das. Stellt euch nicht so an und stellt euch hinten an. Die Kirche denkt in Jahrhunderten, die ändert nicht so schnell ihre Lehre über die bestimmte Bestimmung weiblicher Wesen.
Ich mag diese Heiligen-Geist-Verweise nicht mehr hören. Ich habe kein Verständnis dafür, dass Frauen Jahrtausendelang auf ihre Gefahrenpotenzial geprüft werden müssen. Jetzt habe ich erst recht keines.
Denn es ändert sich gerade jetzt Entscheidendes, wenn sich beim Frauendings in einer weltweiten Institution nichts ändert. Es wäre doch herrlich, wenn eine Institution mit Einfluss dem weltweiten Frauenhass, der Erniedrigung und Verachtung etwas entgegensetzen würde.
Über die Theologin Annette Jantzen haben sich nach der Ankündigung einer Veranstaltung zu ihrem Buch über die ignorierten Frauen der Bibel dunkle Wolken zusammengezogen und Hass niederregnen lassen. Dass sie statt „der Herr“ die Formulierung „die Ewige“ wählt, dass sie von der Heiligen Geistkraft statt vom Heiligen Geist spricht, das entfesselt bei Kommentatoren auf katholischen Seiten sexistische Beleidigungslust bishin zu Gewaltphantasien.
Der rechtspopulistische, rechtextreme Zeitgeist lebt vom Hass auf selbstbestimmte Frauen, Awfl werden sie von der MAGA-Bewegung genannt, das steht für Affluent White Female Liberals“. Wenn man das ausspricht, klingt es wie "awful", schrecklich. Rechte feiern jeden Tag das Fest – eher nicht der Verklärung der Herren, sondern der Verklärung der Bros, der Brüder, die sich an keine Regeln halten.
Im Namen der Mutter, der Tochter, der Heiligen Geistkraft
Ich kann nicht erkennen, dass die Entscheider so etwas wie Gleichberechtigung der Geschlechter in Lehre und Praxis der römisch-katholischen Kirche anstreben. Auch am Fest der Verklärung des Herrn wird der Vatikan nicht die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterschreiben. Das wäre dann doch zu viel der Verwandlung, des radikalen Neuanfangs.
Papst Leo sagte kürzlich, Abtreibung sei die größte Gefahr für den Frieden. Eine interessante Schwerpunksetzung, finde ich. So deutlich ist er in seinem Reden über Putin, Trump oder das Mullah-Regime nicht. Die Kriegstreiber, Autoritär-Aggressiven, Maskulin-Mächtigen nennt er nicht beim Namen.
Zum politisch relevanten Frauenhass habe ich auch noch kein Wort gehört. Wer weibliche Selbstbestimmung ablehnt, wer seiner Misogynie einen spirituellen Überbau geben will, kann sich weiterhin in der römisch-katholischen Kirche beheimatet fühlen und muss kein maß- und mitteregelndes Wort von ganz oben fürchten.
Der Papst müsste mal dieses, der Bischof müsste mal jenes – aus weiblicher Perspektive erwarte ich von Würdenträgern gar nichts. Diesen Berg habe ich hinter mir gelassen.
Von Ihnen erwarte ich etwas. Wenn Sie das nächste Mal auf dieses Evangelium stoßen, dann sagen Sie laut: Jesus nahm Petra, Jaqueline und ihre Schwester Johanna zu sich und führte sie auf einen hohen Berg.
Petra, Jaqueline und Johanna. Zu viel Veränderung, zu viel Umkehrung? Nicht doch. Petrus, Jakobus und Johannes sind mitgemeint!
Muttertochterheiligegeistkraftamen.