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Ein Kardinal im Notwehr-Modus


Ausgerechnet ein Kardinal vertreibt die katholisch-melancholische Stimmung und weckt Streitlust. In der FAZ vom 21. Februar findet sich auf Seite 18 ein „Brief an die Herausgeber“. Briefschreiber ist der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper.



Darin heißt es zu den Reaktionen in Deutschland aufs Papstpapier: „Man hat die ohnehin armen amazonischen Christen enteignet und die Amazonien-Synode zu einem Vorlauf für den eigenen Synodalen Weg gemacht und dies nach dem Motto ,An dem deutschen Wesen soll die Welt genesen‘, so dass kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Wer wundert sich da, dass in Rom alle Alarmglocken läuteten. Der Katholische Frauenbund hat sich zusätzlich selbst ins Bein geschossen und die römische Antwort geradezu vorprogrammiert, indem er die Diakonenweihe für Frauen zum Durchlauferhitzer für das Priester- und Bischofsamt für Frauen erklärte. Wer in einer unvollkommenen Welt und Kirche alles oder nichts will, der kann nie alles, sondern am Ende nur nichts bekommen.“


Franziskus spricht nicht mehr so gern wie früher von den Krankheiten der Kurie. Der Brief ist ein schönes Beispiel dafür, woran die innerkatholische Streitkultur dank kurialer Interventionen wie dieser krankt. Kasper fasst eine Position, mit der er nicht einverstanden ist, falsch zusammen und setzt sie durch den Verweis auf die Enteignung der Christen Amazoniens sogar in einen verbrecherischen Zusammenhang.

Gleichberechtigung für Frauen wird zu einer Maximalposition erklärt („alles oder nichts“), während der eigene geschlechtsbedingte Besitzstand (das wäre nach diese Logik „alles“) selbstredend nicht der Rede wert ist.

Vielsagend ist die mutmaßlich gedankenlose, aber ganz sicher geschmacklose Verwendung der Floskel „ins Knie geschossen“. Meines Wissens hat der Katholische Frauenbund keine Schusswaffen, sondern Argumente eingesetzt. Ins Kardinaleske gewendet, ist das neue, alte vatikanische Kommando „Marieche, danz!“ als Notwehr zu verstehen. Zur militaristischen Männerfantasie passt, dass in Rom nicht alle Kirchen-, sondern alle „Alarmglocken“ läuten.


Diese Truppe muss man im Auge behalten.

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